Schloss Charlottenburg
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Das glanzvollste und wohl auch grösste der erhaltenen Berliner Schlösser - eng verbunden mit der Geschichte brandenburgischer Kurfürsten aus dem Hause Hohenzollern - entsteht gegen Ende des 17. Jahrhunderts und gilt uns heute als eines der schönsten Berliner Zeugnisse des Barock. Die Architektur des Gebäudekomplexes bestimmen im Laufe von 100 Jahren ständiger Erweiterung massgeblich Johann Arnold Nehring, Johann Friedrich Eosander von Göthe, Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff und Carl Gotthard Langhans.
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1695
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J. A. Nehring, oberster Baubeamter in Preussen, entwirft den Mittelbau einer Anlage, die als Sommersitz für die Kurfürstin Sophie-Charlotte geplant wird, der Gattin des Kurfürsten Friedrich Wilhelm III. Nachdem sie das ihr 1690 als Sommersitz vermachte Vorwerk Caputh bei Potsdam dem Kurfürsten zurückgegeben hat, entscheidet sie sich nun für das Dorf Lützow mit dem Vorwerk Ruhleben und wird der Bau so in eine ländliche, damals noch bewaldete Umgebung gestellt - nach dem nahe gelegenen Ort erst einmal "Sommerhaus Lützow" genannt. In eindrucksvoller Weise wird das Haus über eine westliche Verlängerung der Strasse Unter den Linden durch den Tiergarten an die Residenzstadt Berlin angebunden.
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1699
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Am 1. Juli, dem Geburtstag der Bauherrin, wird das Lützower Gartenhaus mit einem grossen Fest eingeweiht, ist aber schon jetzt Gegenstand für viele Verbesserungs- und Erweiterungsvorschläge.
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1701
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Bereits um 1695 strebte Kurfürst Friedrich Wilhelm III. die Rangerhöhung zum König in Preussen an, die er in diesem Jahr mit der Selbsternennung (König Friedrich I von Preussen) erreicht. In seinem königlichen Auftrag projektiert und realisiert ab 1702 der schwedische Architekt Johann F. Eosander von Göthe mit zwei Seitenflügeln die Erweiterung der Sommerresidenz zu einer zur Schloßstrasse hin geöffneten Dreiflügelanlage. Neue Wohn- und Arbeitsräume für den König und die Königin, Repräsentationsräume im östlichen Flügel, eine 1704 begonnene Schlosskapelle kommen hinzu und machen mit dem 1706 vollendeten Porzellankabinett einmal mehr deutlich, wie schnell das ursprünglich nur tagsüber benutzte Sommerhaus sich in ein Staatsschloss verwandeln wird.
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1705
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Nach dem Tod der Kurfürstin-Königin am 1. Februar fügt König Friedrich I. dem Dreiflügelbau eine Stadt hinzu. Am 1. April wird die Niederlassung in Charlottenburg umbenannt und 4 Tage später ergeht die Anordnung des Königs zur Ausstellung einer Stadtrechtsurkunde. Zeitgleich mit dem Ausbau der Stadt wird die Vergrösserung der Schlossanlage vorangetrieben und
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1713
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hat J. F. Eosander von Göthe einen 48 m hohen Mittelturm mit Kuppel, einen Ehrenhof und die Grosse Orangerie hinzugefügt. Französische Gartenbaumeister um Siméon Godeau legen zwischen Schloss und einem Teich den Park und vor der Gartenfront des Schlosses das rechteckige "Parterre" an. In barocker Manier umschliessen nun Alleen aus zurückgeschnittenen Bäumen, Taxus-Hecken, Blumenbeete und Kieswege einen achteckigen Brunnen mit Fontäne. Es ist Peter Joseph Lenné der diesen Barockstil beseitigt und den Garten ab 1819 im englischen Stil zum heutigen Landschaftspark umgestaltet
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1740
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erhält G.W. von Knobelsdorff über Friedrich II. den Auftrag für den Anbau eines neuen, östlichen Flügels, der 1747 abgeschlossen ist und es ist Karl Gotthard Langhans, der letzte Ergänzungen der Schlossanlage setzt, indem er in den Jahren 1787 bis 1791 einen Theaterbau anfügen und den Westflügel verlängern lässt.
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heute
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1943 ausgebrannt, kann der Abriss der Ruine verhindert werden und ab den 50er Jahren erlebt das Schloss im heutigen Stadtbezirk Charlottenburg eine vorbildliche, mehr als 20 Jahre dauernde originalgetreue Restaurierung.
Im Ehrenhof des Schlosses steht nun (seit 1951) das von Andreas Schlüter 1701 geschaffene Reiterstandbild des Grossen Kurfürsten. Sehenswert im Innern vor allem die historischen Räume wie der Nering-Eosander-Bau oder der Knobelsdorff-Flügel mit der Bildersammlung aus Schlössern Friedrichs des Großen. Im Mittelpunkt der Sammlungen der Galerie der Romantik im Neuen Flügel stehen die Werke von Caspar David Friedrich. Im Westflügel, dem ehemaligen Schlosstheater, ist das Museum für Vor- und Frühgeschichte untergebracht, und hier werden Sammlungen von Objekten aus der Steinzeit, der Bronzezeit sowie der Eisenzeit gezeigt. Den Besucher des grandiosen Schlossparks erwartet der frühklassizistische Bau des einst als Teehaus genutzten Belvedere mit einer Sammlung Berliner Porzellane des 18. und 19. Jahrhunderts. Das einem dorischen Tempel nachempfundene Mausoleum zeigt u.a. die Sarkophage der Königin Luise (1776-1810) und des Königs Friedrich Wilhelm III. Der kubische klassizistische Bau des Sommerhauses (1824/25 von Karl Friedrich Schinkel) bietet Interessierten in rekonstruierten Räumen Kunst- und Kunstgewerbe der Romantik in Berlin
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Das Belvedere
Friedrich Wilhelm II. ernennt nach seinem Regierungsantritt Carl Gotthard Langhans zu seinem Architekten und beauftragt ihn 1788 mit dem Entwurf eines Teehauses - das Belvedere. Obwohl bekannt für seinen griechisch bestimmten Klassizismus, fügt C. G. Langhans dem frühklassizistischen Bau im Grundriss viele barocke Elemente bei, so dass der Bau letztlich in seiner Form zwischen Barock und Klassizismus steht. Dreigeschossig angelegt, über ovalem Grundriss mit vier paarweise gleichartigen Anbauten und einer kleinen Kuppel, wird das Belvedere zwischen 1789/90 im nördlichen Teil des Schlossparkes angelegt und ist erstmals nicht in das alte Achsensystem einbezogen, sondern wird frei in den Raum gestellt. Tendenz zu Dezentralisierung und Auflockerung barocker Ordnung wird deutlich, wo dem Betrachter kein fester Standort mehr angewiesen ist, sondern er im Herumgehen wechselnde Ansichten geniessen kann. Die Kuppel schliesst ab mit der einen Blumenkorb tragenden Puttengruppe von Johann Eckstein.
Innen werden dem Belvedere im Erdgeschoss zunächst vier, geschmackvoll dekorierte kleine Räume beigegeben. Eine Treppe führt im südlichen Risalit zu zwei übereinanderliegenden, jeweils die ganze Fläche einnehmenden und oval ausgerichteten Sälen. Der Saal im Hauptgeschoss ist mit Holz vertäfelt, der Saal im obersten Geschoss erhält als hauptsächlichen Schmuck 24 Wandkonsolen, auf denen verschiedene antike Tongefässe Aufstellung finden. Beide Säle werden mit reich intarsierten Holzfussböden augestattet. Indes, Tee wird im Teehaus Belvedere wenig getrunken, viel eher beschäftigt man sich hier mit dem Abhalten geheimer Sitzungen und diskutiert, zum Beispiel, Schriften von Marc Aurel oder Leibnitz.
Durch Spreng- und Brandbomben wird das Ensemble des Schloss Charlottenburg in der Nacht vom 22. zum 23. November 1943 zu grossen Teilen zerstört und auch vom Belvedere stehen danach nur noch wenige Teile der Aussenmauern. Von 1956 bis 1960 wird das rundliche Gebäude nach den Kriegszerstörungen im Äusseren wiederhergestellt, bleibt aber bis 1970 ungenutzt, dem Jahr des Ankaufs einer Sammlung Berliner Porzellane, die hier einen idealen Aufstellungsort finden wird. Waren die wichtigsten Förderer und Auftraggeber der KPM die Bauherren des Schloss Charlottenburg, scheint die Unterbringung des KPM-Archivs an dieser Stelle geradezu ideal. Heute gibt es hier auf drei Stockwerken (Berliner) Porzellane aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu bestaunen.
Das Schlossteather
In der Nachfolge Friedrichs des Grossen erfährt das Schloss Charlottenburg im Westen seine Verlängerung und seinen westlichen Abschluss durch den stattlichen Schloss-Theaterbau. 1788 - 1791, im Auftrag Friedrich Wilhelms II, wird diese Verlängerung des Orangerietraktes von Carl Gotthard Langhans mit einem mächtigem Mansarddach barock wuchtig inszeniert. Ein flacher, dreiachsiger Mittelrisalit in der Form eines Portikus, mit deutlich klassizistischen Zügen, setzt sich gegen einen linken und rechten, der älteren Barockarchitektur verpflichteten Baukörper ab, der in der Fassadengestaltung die Kraft des Hauptgebäudes von Eosander zitiert. Über dem Hauptgeschoss ein Mezzanin mit gerundeten Fenstern. Der Langhans-Entwurf kommt zur Ausführung durch den Architekten Michael Philipp Boumann.
Ab 1902 wird der Innenraum mit dem dreirängigen Zuschauerraum des Theaters demoliert, um das Gebäude als Möbelspeicher nutzbar zu machen. Grosse Teile der Innenausstattung sowie kostbare Gemälde gehen dabei verloren.
Räume im Schloss Charlottenburg
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Die goldene Galerie
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Das Porzellan Kabinet
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Schlafzimmer von Königin Luise
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Quellenverweis:
Texte & Bild: W. Schmidt-Berndt, entnommen dem PDA-Projekt "ArchiTecTour® Berlin" © panoramicArt-Verlag Berlin, Jan 2002, gefunden auf www.berlin-city-pass.de
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