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Zwei Dörfer an der Spree
Der heutige Berliner Raum war schon seit dem 6. Jh. durch verschiedene Slawenstämme besiedelt worden. Sie waren aus dem Osten gekommen und hatten das sumpfige, schwer zugängliche Waldgebiet entlang der Flüsse langsam urbar gemacht. Bei Spandau hatten die Heveller eine Festung gebaut und die Sprewaner eine Burg auf der jetzigen Köpenicker Schlossinsel
Als um 1100 in ganz Deutschland eine verstärkte Rodung und Besiedlung des Landes begann, versuchten die deutschen Fürsten auch das Land östlich der Elbe zu erschliessen. Der Askanierfürst Albrecht der Bär unterwarf in einem Feldzug die Slawen und nahm 1137 ihre wichtigste Festung ein, die Brennabor an der Havel, und macht sie zu Seiner Residenz. Er und Seine Nachfolger besiedelten ihr neues Herrschaftsgebiet planmässig und dehnten es bis zur Oder aus: Die Mark Brandenburg war entstanden. Irgendwann in der ersten Hälfte des 13. JH. wurden dann im Gebiet zwischen Spandau und Köpenick die Orte Berlin und Cölln gegründet.
Sie lagen an einer besonders engen und flachen Stelle der Spree, ideal geeignet für einen Flussübergang und einen Hafen. Gründungsurkunden gibt es für keine der beiden Städte. Der Name Köln taucht erstmals 1237 in einem Dokument auf, das einen Pfarrer Symeon aus Cölln als Zeugen nennt. Diese Urkunde war Anlass für die 750 Jahr Feier der Stadt, obwohl der Name Berlin hier gar nicht genannt wird, der sich erst 1244 auf einem Schriftstück findet. Erst 1251 wird Berlin als Stadt bezeichnet, Cölln zehn Jahre später. Woher der Name Berlin stammt, ist nicht bekannt: Womöglich ist er eine Zusammensetzung der slawischen Wörter bar (Kiefernwald) und rolina (Ackerland); vielleicht brachten Siedler aus dem Westen den Namen mit. Bald wurde Berlin und Cölln zu einem wirtschaftlichen Zentrum, in dem sich die wichtigen Handelswege von Frankfurt/Oder in Richtung Westen und von der Küste nach Süden kreuzten. Beide Orte dienten als Umschlagplatz für Holz und Roggen aus der Mark, Fische aus dem Norden, Felle aus Russland und zunehmend für kostbare Gewürze aus dem fernen Osten.
Die Askanier beschleunigten den wirtschaftlichen Aufstieg, indem sie den Kaufleuten Zölle erliessen und Berlin das Münzrecht, die Hohe Gerichtsbarkeit sowie das Niederlage- und Stapelrecht gaben, welches die durchreisenden Kaufleute zwang, einen Teil ihrer Ware in Berlin zu verkaufen.
Städtische Freiheit und Residenzstadt
Dabei unternahmen die Askanier nie etwas gegen die Interessen des Stadtpatriziats, zumeist Kaufmannsfamilien, die im Magistrat dominierten. Während des 14. JH konnten die damals 8000 Bewohner die überragende Stellung der Doppelstadt in der Mark Brandenburg trotz aller Hindernisse behaupten. 1307 schlossen sich Berlin und Cölln zu einer Stadt zusammen, bauten sogar ein drittes Rathaus, auf der “ Langen Brücke”, die die Städte über die Spree miteinander verband. Dennoch dürfte die Doppelstadt gegenüber den altehrwürdigen Bischofsstädten am Rhein eher bescheiden gewirkt haben.
Obwohl Berlin in dieser Zeit zweimal fast völlig abbrannte, und 1348 auch die Pest die Stadt heimsuchte, schaffte sie es nach dem Tod des letzten Askanierfürsten 1319, die Fehden der Adelsgeschlechter um die Mark Brandenburg relativ unbeschadet zu überstehen. Doch zu Beginn des 15. JH. wurden die Kämpfe in Brandenburg immer heftiger. Zwar war das Land 1356 zum Kurfürstentum erhoben worden, doch Raubritter überzogen das ganze Gebiet mit Plünderungen und machten auch vor den Stadttoren Berlins nicht halt; die Bürgerwehr wurde geschlagen, die Stadt besetzt. 1412 schickte König Sigismund seinen engsten Berater, den Nürnberger Burggrafen Friedrich von Hohenzollern, nach Brandenburg. Er sollte die aufrührerischen Adelsfamilien befrieden. Friedrich besiegte die Raubritter, befreite 1414 Berlin und wurde dafür zum Marktgrafen und Kurfürsten ernannt. Mit ihm begann die 500 jährige Verbindung zwischen Berlin und den Hohenzollern, unter denen die Stadt allmählich viele Ihrer Rechte verlor. Sein Nachfolger Friedrich II. nutzte innere Konflikte der Bürgerschaft als Vorwand, um das stolze Patriziertum seiner Herrschaft zu unterwerfen: Der Magistrat wurde entmachtet, alte Stadtrechte aufgehoben, Güter und Ländereien beschlagnahmt. Die Berliner liessen sich dies nicht lange gefallen. In dem berühmten “ Berliner Unwillen” von 1448 wehrten sie sich und zogen mit einer kleinen Heerschar gegen den Kurfürsten, der die Bürgerwehr jedoch besiegte; die Stadt musste sich öffentlich unterwerfen. Damit hatte das kurfürstliche Landesregiment über jede Bürgerliche Autonomiebestrebung gesiegt.
Der Kurfürst liess seine Machtstellung auch in einem neuen Berliner Siegel darstellen: Es zeigte zwar den Berliner Bären, doch auf seinem Rücken thronte von nun an der Hohenzollern - Adler in Siegerpose. Berlin wurde planmässig zur Residenzhauptstadt ausgebaut: Friedrich II. hatte schon 1443 mit dem Bau eines Schlosses begonnen, das seine Nachfolger immer wieder veränderten. Die Hohenzollern liessen sich Jagdschlösser im Grunewald und in Köpenick bauen, rekrutierten Hofbeamte aus ihren Stammlanden Franken, Schwaben und Thüringen. Auch die märkischen Landtage fanden seit Mitte des 15. JH. in Berlin statt. Die Bevölkerung wuchs bis 1550 auf rund 12.000 an, der Luxus des Hofstaats hielt auch in der Stadt Einzug, das geistige Klima wurde durch die ersten Gymnasien, Druckereien und eine Zeitung belebt. Doch gelang es den Berliner im Laufe des 16. Jh., die Stadtrechte, vor allem die eigene Gerichtsbarkeit, wiederzugewinnen, denn die Kurfürsten brauchten Geld und verkauften deshalb Berlin wieder viele Rechte. Die Reformation zog in jener Zeit friedlicher ein als anderswo: 1539 trat Kurfürst Joachim IItarget="blank". zum Luthertum über, allerdings erst unter Druck der märkischen Stände. Die Pest hatte in jener Zeit Berlin mehrmals heimgesucht; der Dreissigjährige Krieg (1618 bis 1648) forderte auch in Berlin seinen Tribut. Brandenburg wurde mal von schwedischen, dann wieder von kaiserlichen Truppen mit Gewalt überzogen, da der Landesherr ständig die Seiten wechselte, die Berliner Vorstädte wurden verwüstet, die hälfte der Berliner floh, die Stadt zerfiel zusehends.
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